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Ansprache von Frau Generalkonsulin Mao Jingqiu auf dem Empfang anlässlich ihres Amtsantritts
2016/04/27

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Merk,

Sehr geehrter Herr Vizepräsident des Bayerischen Landtags Bocklet,

Sehr geehrter Herr Landespolizeipräsident Schmidbauer,

Verehrte Kolleginnen und Kollegen vom konsularischen Korps,

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

 

guten Abend! Zunächst möchte ich Sie alle im Namen des Generalkonsulats der VR China in München und auch in meinem eigenen Namen ganz herzlich willkommen heißen. Ich möchte meinen herzlichen Dank äußern, dass Sie an der ersten offiziellen Veranstaltung seit meinem Amtsantritt teilnehmen. Es freut mich sehr, alte und neue Freunde zu treffen.

 

Wie mein Kollege gerade erwähnt hat, habe ich jahrelang in Berlin gearbeitet bevor ich meine Position als Generalkonsulin  in Zürich und für das Fürstentum Liechtenstein antrat. Es ist schön, jetzt nach Deutschland zurückzukehren und mein neues Amt in Bayern zu übernehmen. München ist für mich nicht fremd. Vor etwa zwanzig Jahren hatte ich die Ehre, ein Aufbaustudium an der Ludwig- Maximilians- Universität München zu absolvieren, wobei ich eine wunderbare Zeit verbrachte. Ich fühle mich wie zu Hause, wenn ich nun zurückkehre. Die Straßen und Gebäude lassen mich an diese Zeit denken, und erinnern mich an die Wärme und Gastfreundschaft, die mir hier widerfahren sind.

Meine Erfahrung während des Studiums war etwas ganz Anderes als mein jetziges Leben als Diplomatin. Ich habe mein Fachwissen erweitert und mehr Kenntnisse über Bayern und München erworben. Meiner Meinung nach gilt Bayern als ein Vorbild in Deutschland, in Europa sowie in der Welt, wo die Natur mit der Kultur, die Tradition mit der Moderne, die Arbeit mit dem Leben in perfekter Harmonie stehen. Ich denke an den Schnee auf der Zugspitze und die romantische Märchenwelt von Schloss Neuschwanstein, an die  großen Unternehmen und die vielen "Hidden Champions", die Bayerns Wirtschaftswunder erschaffen haben. Ich denke an die gesellige Atmosphäre in den Biergärten und die Menschen in ihren schönen Trachten. Es ist so harmonisch und schön.

Natürlich wurde ich wegen meines beruflichen Hintergrunds nach München versetzt, aber was noch viel wichtiger ist, ist dass Bayern und China als Pioniere die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen seit langen Jahren entwickelt haben und Bayern stetig an der Spitze der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit gewesen ist. Die zahlreichen Höhepunkte unserer bilateralen Beziehungen lauten wie folgt: im Jahr 1975 hat der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß China besucht, und wurde als erster westdeutscher Politiker vom Parteivorsitzenden Mao empfangen. Durch seinen Besuch wurde eine gute Basis für die Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen sowie der chinesisch-bayerischen Beziehungen geschaffen. Im Jahr 1987 wurde die Partnerschaft zwischen der Provinz Shandong und dem Freistaat Bayern gegründet. Bayern ist somit der erste  Bundesstaat in Deutschland, der das Partnerschaftsabkommen mit einer chinesischen Provinz unterzeichnet hat. Im Januar dieses Jahres hat die staatliche chinesische National Chemical Corporation den Ankauf der Spezialmaschinenbauer Krauss Maffei bekannt gegeben, es ist die bisher größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens in Deutschland. 

 

Meine Damen und Herren,

Erwähnenswert ist, dass China und Bayern trotz des Rückgangs des Handelsvolumens zwischen China und Deutschland letztes Jahr die Wachstumstendenz des Außenhandels beibehalten haben. Auch der kulturelle Austausch zwischen China und Bayern ist ständig vertieft worden. Bis heute sind mehr als 80 Partnerschaften zwischen chinesischen und bayerischen Universitäten geschlossen worden. In München und Nürnberg wurden zwei Konfuzius-Institute gegründet. In Bayern hat sich ein starker Trend Chinesisch zu lernen entwickelt. Über 40 Schulen in Bayern bieten chinesische Sprachkurse an. Darüber hinaus ist Bayern ein beliebtes Ziel  für chinesische Touristen, im Jahr 2014 sind mehr Touristen aus China nach Bayern gekommen als aus Frankreich und Japan.

 

Meine Damen und Herren,

Zurzeit intensivieren sich die Beziehungen zwischen China und Bayern ständig. Das jetzige Konsulatsgebäude kann  die wachsenden Bedürfnisse nicht mehr ganz erfüllen, deshalb haben wir angefangen, in Obersendling ein neues Generalkonsulat aufzubauen. Nach dem Umzug werden wir nicht mehr Nachbar von Schloss Nymphenburg sein, das bedauern wir natürlich sehr. Andererseits macht der Neubau des chinesischen Generalkonsulats deutlich, dass die Beziehungen zwischen China und Bayern eine wichtige Stellung in den chinesisch-deutschen Beziehungen einnehmen. Der Arbeitsschwerpunkt unseres Generalkonsulats liegt in Bayern, wir werden Menschen aus allen Kreisen in Bayern bessere Dienstleistungen bieten.  

 

Meine Damen und Herren,

Ich möchte sie noch über die aktuellen Entwicklungen in China informieren, vor allem über die wirtschaftliche Entwicklung. Im vergangenen Jahr ist Chinas Wirtschaft um 6,9 % gewachsen. Das Wirtschaftswachstum ist so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr. Manche deutschen Freunde sind besorgt darüber. Es ist zwar unbestritten, dass Chinas Wirtschaft vor dem Hintergrund der langsamen Erholung der Weltwirtschaft auch vor Herausforderungen steht. Aber das Wachstum vom 6.9 % ist nicht unwesentlich, da Chinas Wirtschaftsvolumen inzwischen mehr als 10 Billionen US Dollar beträgt. Ein Anstieg von 6,9 % bedeutet also 500 Milliarden Dollar. Das entspricht dem gesamten Bruttoinlandsprodukt eines mittelgroßen europäischen Landes. Somit trägt China mehr als 25 % zum gesamten globalen Wirtschaftswachstum bei und ist immer noch die entscheidende Entwicklungslokomotive für die Weltwirtschaft.

 

Wir blicken voller Zuversicht in die Zukunft der chinesischen Wirtschaft und werden uns weiter für die Vertiefung der Umstrukturierung von  quantitativem Wachstum hin zu mehr Effizienz und höherer Qualität einsetzen. Vor Kurzem wurde das 13. Fünfjahresprogramm auf den diesjährigen Tagungen von NVK und PKKCV genehmigt und somit offiziell verabschiedet. Es geht dabei um innovative, koordinative, grüne, offene und teilhabende Entwicklung. Ein wichtiger Punkt ist die Strukturreform der Angebotsseite, wodurch ineffiziente und Low-End-Angebote reduziert werden sollen. Unser Ziel ist, die Industrialisierung, Informatisierung, Urbanisierung und landwirtschaftliche Modernisierung koordiniert zu entwickeln und parallel umzusetzen.

 

Es gibt leider immer wieder einseitige Argumente, die von einem Extrem ins andere fallen, wenn man über Chinas Entwicklung spricht. Auf der einen Seite betrachtet man Chinas Wirtschafts- und Kulturprojekte im Ausland als Expansion, auf der anderen Seite fordert man China auf, mehr Verantwortung bei der Beilegung internationaler Konflikte zu übernehmen. China wurde und wird immer wieder von manchen infrage gestellt oder kritisiert,  ob es etwas tut oder ob es etwas lässt. Hierzu ist zum einen Gelassenheit von unserer Seite und zum anderen eine objektive und vernünftige Sichtweise auf Chinas Entwicklung von der Außenwelt gefragt.

 

Meine Damen und Herren,

 Ich möchte noch darauf hinweisen, dass Unternehmen in Bayern über weltführende Know-hows und Technologien in den Bereichen wie Innovation, Umweltschutz, Advanced Manufacturing und neue Energien verfügen, und der Freistaat Bayern eine Vorreiterrolle beim Thema Industrie 4.0 einnimmt. All dies passt gut zu unseren Ideen und Konzepten im Zeichen der neuen Normalität der chinesischen Wirtschaft. Die Zusammenarbeit zwischen China und Bayern hat mit Sicherheit eine vielversprechende Zukunft. Dabei können wir unter anderem unsere Vorteile kombinieren und Möglichkeiten für gemeinsame Drittmarktaktivitäten erschließen. Als siebte Generalkonsulin will ich auf Basis der Arbeit meiner Vorgängerin und Vorgänger mit Ihnen gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um die praktische Zusammenarbeit beider Seiten zu fördern und die Beziehungen zwischen China und Bayern auf ein neues Niveau zu heben.

 

Meine Damen und Herren,

Dass sich unsere Beziehungen immer gut entwickelt haben, liegt wohl einerseits an den gemeinsamen Interessen, andererseits ist es darauf zurückzuführen, dass wir uns gegenseitig als Partner und Freunde betrachten. Meiner Meinung nach ist das Letztere noch wichtiger, denn dies bildet eine solide Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Alle heute  anwesenden deutschen Freunde, alle Überseechinesen, unsere Studenten und Vertreter der chinesischen Unternehmen: Sie sind die Partner und Freunde, die ich meine, Sie sind Mitgestalter der Beziehungen zwischen China und Bayern. Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre langjährige Unterstützung und für Ihre Beiträge! Ich hoffe, dass ich sowie mein Haus in Zukunft weiterhin auf Ihre volle Unterstützung zählen können. Ich persönlich hoffe noch, dass meine Zeit in München auch diesmal, so wie vor 20 Jahren, für unvergessliche Erinnerungen sorgt und München bzw. Bayern meine zweite Heimat wird. 

 

 

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